In Performance: Kleinhapl-Woyke Duo
Washington Post, 5. Oktober 2009
Starker Cellist, Pianist Animieren Beethoven
by Cecelia Porter
Beethoven hat mit seiner Musik neue Wege eingeschlagen. In vielen seiner Kompositionen fragmentierte er seine Themen fast bis zur Unkenntlichkeit und überliess die Sinngebung des Ganzen den Interpreten. Am Donnerstag abend spielten Friedrich Kleinhapl auf seinem wunderbaren 1743 Guadagnini Cello und der Pianist Andreas Woyke Beethovens erste drei Sonaten für ihre Instrumente in der Österreichischen Botschaft. Dynamisch und im Tempo schneller als in Lichtgeschwindigkeit kontrastierend, schafften sie mit abrupten Pausen und asymmetrischer Phrasierung Szenen aufregenden Chaos und führten mit ihrer unorthodoxen Aufführung und Drive die Zuhörerschaft im voll besetzten Saal an den Rand emotionalen Abgrundes in der Musik. Dabei wirkte das Duo wie eine einzelne Stimme zusammen und gab der schon in diesen Frühwerken komplex strukturierter Musiklandschaft Beethovens eine wagemutig neue Bedeutung. (Trotz dessen überstiegen die Extreme der Musiker in den Ohren mancher Zuhörer gelegentlich die Möglichkeiten des satten Klangkörpers eines Cellos).
Kleinhapl keilte zwei relativ zeitgenössische Stücke für Solo-Cello zwischen Beethoven ein. "Monologi" op. 45 des norwegischen Komponisten Oistein Sommerfeld und die Kadenz aus dem Cellokonzert des österreichischen Pianisten und Komponisten Friedrich Gulda. Kleinhapl erläuterte, dass der Komponist mit "Monologi" sein Verlassenheitsgefühl ausdrückte. Und in der Tat hetzte der Kopfsatz unter Kleinhapls Händen in kapriziöser Aufregung dahin, manchmal Verwüstung stiftend, ein andermal in Lyrik verzehrend, dabei immer fesselnd. In Guldas hypnotisierendem Werk raste Kleinhapl durch eine eindrucksvolle Abfolge farbreich-nuancierter Tremoli, manche in gefährlich-koketter Nähe zum Steg und bekräftigt von unheimlichen Flageolets. Ein überwältigender Tango von Astor Piazzolla bildete den krönenden Abschluss des Abends.
Die Vocal Arts Society sponsorte das Konzert.
--Cecelia Porter, Übersetzung: Woyke/Lacom