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Haydn als Stürmer und Dränger

Kronenzeitung, 18. September 2009



Der Pianist Andreas Woyke zieht gerne Verbindungen zwischen Klassik und Eigenkompositionen. Wie gut das funktioniert, zeigte er bei den „musikabenden-GRAZ“, wo er seine jazzinspirierten Stücke mit Musik des Jahresregenten Joseph Haydn verknüpfte und der jungen Konzertreihe einen Höhepunkt bescherte.

Den vom Komponisten für den ersten Satz der Sonate Hob. XVI: 37 geforderten Schwung sehr ernst nehmend, ist Haydn bei Woyke zu allererst Stürmer und Dränger. Sehr kräftig spielt er die Sonate, treibt dem Finale die Lieblichkeit aus, zeigt eindrucksvoll den Unterschied von Lebendigkeit und Unruhe. Woyke arbeitet Zweiteres heraus, dieser Musik haftet bei ihm eine existenzielle Verunsicherung an. Dazu passt, dass Woyke im Mittelsatz pedalgestützte Schwermut verbreitet. In der Sonate Hob. XVI: 46 zeichnet Woyke lange Gefühlsstudien, die Läufe im Finale geraten bisweilen ein wenig schwerfällig, die Heiterkeit Haydns ist hier zu grimmigem Humor gewendet.

Nach Übrleitungen, die an Friedrich Guldas Non-Stop-Konzerte gemahnen, flicht Woyke eigenes Material ein, das sich auch beim Jazzfest Saalfelden gut machen würde. Steve Reichs Minimal Music und die entspannt-dichte Klavierextase eines Keith Jarrett sind die Klammer, in der sich die stimmungsvollen Stücke entfalten. Einer andern grossen Inspirationsquelle, Chick Corea, zollt Woyke mit dessen „Spain“ im Zugabenteil Tribut. Verdienter Jubel für ein frühes Highlight des Konzertherbstes.

(Martin Gasser)