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New York Times berichtet vom Konzert am 30.9.2009
Cellist and Pianist, United by Passion and Power - Fotos
Cellist and Pianist, United by Passion and Power - Video aus dem Studio



By STEVE SMITH
Published: September 30, 2009



Cellist und Pianist verschmelzen zu einer Einheit durch Kraft und Leidenschaft


Großes Aufsehen in New York zu erregen ist für einen relativ unbekannten Künstler keine leichte Sache. Doch der österreichische Cellist Friedrich Kleinhapl und der deutsche Pianist Andreas Woyke hatten vergangenen Dienstag bei ihrem Recital mit Beethovens ersten drei Cellosonaten (op. 5, Nr. 1 und 2; op. 69) gleich mehrere Asse im Ärmel. Allen voran die Wahl der Konzertstätte: Friedrich Kleinhapl und Andreas Woyke, die seit 2003 gemeinsam CD-Aufnahmen bestreiten, traten im Österreichischen Kulturforum auf, dessen intimer Konzertsaal unstreitig einer der besten Rahmen New Yorks für Kammermusik ist. Darüber hinaus waren die Musiker auch instrumentenmäßig gut ausgerüstet: das Kulturforum ist mit einem zwar kleinen, aber wunderbaren Bösendorfer- Flügel ausgestattet, Friedrich Kleinhapl musizierte auf einem 1743 Guadagnini Cello, das mit Stahlseiten bespannt und mit Titaniumteilen bestückt ist.

Am meisten aber wog die gemeinsame Vision, welche beide Musiker dem Publikum vermitteln wollten. In einer kurzen Publikumsansprache vor dem eigentlichen Konzertbeginn gestand der bekennende Romantiker Kleinhapl ein, erst spät zu Beethoven gefunden zu haben, da er dem besonnen-gemäßigten Charme der Wiener Klassik zunächst nicht im Übermaß zugeneigt gewesen war. Nachdem er aber ein genaueres Bild vom Leben des Komponisten gewonnen und Aufnahmen von Friedrich Gulda studiert hatte, empfand er Beethoven als Repräsentant romantischer Intensität und geballt-leuchtender Kraft – eine Sichtweise, welche paradoxerweise (oder auch nicht) von den Massenmedien lange Zeit forciert wurde.

Musikalische Freiheiten waren erlaubt und wurden ausgekostet. Mit überschwänglicher Verve entlockte Friedrich Kleinhapl seinem Instrument Töne von berückend schöner Kantabilität die den sorgsam geführten Linien eines Sängers glichen. Andreas Woyke, der auch als Komponist, Improvisator und Jazzmusiker tätig ist, verblüffte mit einer ungewöhnlichen Auslotung der Tempi, Dynamik und Pausen.
Für Puristen wäre dies möglicherweise ein Schock. Aber Friedrich Kleinhapl und Andreas Woyke wussten ihre eigenwillige Beethoven- Vision mit einer unantastbaren Virtuosität und einer faszinierenden musikalisch-geistigen Übereinstimmung zu transportieren. Die Intensität mit welcher sie interagierten, jeweils perfekt den ungestümen Gesten des anderen lauschend und replizierend, war schon per se ein Genuss. Doch damit nicht genug, warfen sie auf diese allseits bekannte Konzertliteratur ein neues Licht.

Als Soli spielte Friedrich Kleinhapl zwei kurze moderne Stücke: “Monologi” von Oistein Sommerfeldt, einem norwegischen Komponisten, sowie die Kadenz aus Friedrich Guldas Konzert für Cello und Blasorchester. Obwohl keines davon die Kühnheit der Beethoven- Interpretation erreichte, boten sie dem Cellisten Kleinhapl doch reichlich Gelegenheit, seine enormen technischen Fähigkeiten und ungebremste Leidenschaft unter Beweis zu stellen.

STEVE SMITH, Übersetzung: Helene Lacom