
27. März 2003
19.30 Uhr. Anruf bei Claudia, um das geplante Treffen bezüglich
letzter Vorgespräche für das Barbara Maresch Konzert
abzusagen. Kopfschmerzen. Streß laß nach ...
21. Uhr. Claudia, Klaus, Heli und Otto sehen voll Verzückung
einen abgekämpften Larry in das Lokal "Weininsel"
hineinwanken, der zwar immer noch Kopfschmerzen hat, sich
aber doch noch hat motivieren können, zu kommen. Und die
überaus sympatische Chefin der Weininsel hat natürlich
das perfekte Mittel parat, das die cerebrale Pein
augenblicklich vergessen läßt Dank sei Zweigelt,
dem Pianistenwein.
Überall auf dem Tisch liegen Plakate herum und
nicht nur Larry selbst, sondern auch die andern klopfen
ihm auf die Schulter. Der Entwurf ist gelungen und
die Grafikerkosten haben wir uns gespart.
Programm machen. Straub und Wasserfaller: Jazz. Johns und
Iberer: Tangos. Micheletti und Tanaka: La Valse.
Niederdorfers: 4-händig und solo. Willnauer: 2 bis 3
eigene Stückln. Marsoner: Schubert. Aber sie weiß noch
nicht, ob sie überhaupt mitmacht, weil sie einen Abend
vorher Bartok-Konzert zu spielen hat und dann
wahrscheinlich total geschafft sein wird. Hach nee ...
Woyke und Band: Bach und eigene Ballade. Und noch
was Eigenes. Könnte man mit Heli zusammen in der Pause
machen, um die Leute wieder reinzuholen. Wenn Larry nur
einmal Titel für seine Stücke einfielen ... "Ichhabdasoneharmoniefolgeinamolldiekönntenwirzusammenmachen"
wirkt als Songtitel nicht gerade reißerisch. Egal.
"Harmoniefolge" dieses Etikett wird dem
Phantom von einem Musikstück von nun an auf ewig
anhaften.
31. März 2003
11 Uhr. "Hosd die Cedee mit? Sog ned du hosd vagessn"
hör ich ihn sagen. Ich hab sie vergessen aber
gottseidank ist Heli bekanntermaßen ebenfalls ein
Meister der Improvisation und so reicht es, ihm
die "Harmoniefolge" einmal vorzuspielen.
4. April 2003
Anruf bei Manfred alias Speedy. Morgen um 2 Probe. Keine
Ahnung, wann wir dran sind, aber seids mal um 2 da, dann
schaumer weiter.
5. April 2003
14 Uhr. Außer Larry und seiner Band niemand da. Super
dann haben wir ja genug Ruhe zum Proben.
14.30 Uhr. Alles paletti. "Hast mein sms gekriegt?"
fragt Claudia sofort, nachdem sie den Saal betritt.
"Nö" muß ich erwidern. "Probe für
Tarantella um 7 heut abend". "Ach so?" Na
gut vertschüssen und nochmal wiederkommen. Vorher
noch Lisbeth vom Bahnhof abholen. "Mußt du aber
nicht, ich kann auch mit der Bahn kommen ..." Mmm, würd
ja schon gern ... befürcht nur, es geht sich nicht aus
....
19 Uhr. Tarantella-Probe. 4 Pianisten mit ihren Schrullen
unter einen Hut bringen - Flöhe hüten ist wohl ein
Kinderspiel dagegen. Ein untröstlicher Eike sieht sich
mit der Situation konfrontiert, statt mit der grazilen
Claudia mit dem ... nunja ... etwas stabileren Larry den
Flügel teilen zu müssen. Den ganzen Tag Theorie für
den Flugschein büffeln und dann noch das neenee,
Männer habens schwer ... oder sie sind es.
Langsamer Durchlauf. Schneller Durchlauf. Ein paar
Stellen gecheckt. Nochma durchspielen? Nee, warum auch?
Groove halten, nicht laufen und paßt scho. Viertel = 144
pfeif drauf. Hauptsache, das Ding fährt.
Die Tür öffnet sich. Ein kreideweißes Gesicht mit
rotem Haarschopf erscheint. Ingrid bestätigt ihre Absage.
"I bin müd und i waaß ned was i spün soll"
... weia, no comment!
6. April 2003
10 Uhr. "Naja, einmal sollten wirs
vielleicht doch probiert haben vorm Konzert".
Die schon traditionell gewordene Spontaneität von Heli
und Larry vor einem gemeinsamen Auftritt setzt sich fort.
"Eh alles klar, gell?"
Es bedarf nicht mal des Busses aus Gleichenberg, der
letztes Jahr Entschiedenes zum Publikumsandrang
beigetragen hat. Die Hütte ist auch so um 10.15 bereits
voll, wenngleich wir die Gleichenberger gerne wieder
willkommen geheißen hätten.
10.30 Die schon einzigartig gewordene Atmosphäre des
Mareschkonzerts liegt erneut in der Luft nicht
zuletzt dank Helis Moderation, die ebensowenig
wegzudenken ist wie die zig provisorischen Plätze
in der restlos überfüllten Aula.
Ehepaar Niederdorfer entführt in die exotische Welt der
ungarischen Tänze von Brahms, Michael und Eike bekunden
mit Michaels jazzigen Eigenkompositionen ihr
freundschaftliches ehemaliges Lehrer-Schüler-Verhältnis,
Otto liefert einen eindrucksvollen Solo-Beitrag mit
Chopin und Skrjabin, bevor Klaus und Heli einmal mehr
eine Kostprobe ihres harmonischen Zusammenspiels mit
Tangos geben.
Die "Harmoniefolge" mit Heli und Larry
zwischenzeitlich auch unter dem Titel "Outbreak"
gehandelt - gelingt zu einer sehr inspirierenden
Einladung in den zweiten Teil des Konzerts, den Jörg mit
einer massiven Solidaritätsbekundung mit den männlichen
Emanzipationsopfern fulminant einleitet. Sein "Ave
Josef" ist einer von 3 Beiträgen, die die
Lachmuskeln des Publikums aufs Äußerste strapazieren.
Aber es wäre nicht das Mareschkonzert, wenn solch
ausgelassene Programmpunkte nicht unmittelbar neben
besinnlich-meditativen Stücken stehen könnten: Die
folgende, ausgesprochen ruhige Bach-Sarabande, die in
Larrys eigene, stimmungsvolle, gemeinsam mit Speedy
und Patrick gespielte Ballade "Secret Revelation"
mündet, beweist dies und mit einem Mal ist der
Saal von einer Stille erfüllt, die das Fallen einer
Nadel hörbar machen könnte.
Einem zweiten Tango-Block von Heli und Klaus folgt der
letzte Programmpunkt des offiziellen Teils eine
kraftvolle und farbige Version von Ravels "La
Valse", gespielt von Claudia und Ruriko.
Nach diesem effektvollen "Rausschmeißer" läßt
das Publikum die Musiker nicht ohne Zugabe gehen
und mit der "Tarantella" aus dem Film "Die
Legende des Ozeanpianisten", von Klaus für 4
Pianisten an 2 Flügeln arrangiert, bedanken sich Otto,
Claudia, Larry und Eike im Namen aller Künstler für die
begeisterten Standing Ovations des Punblikums. Und der
anhaltende Beifall nach dieser Nummer zeigt, daß sie
nichts von ihrer faszinierenden Wirkung verloren hat, die
sie schon im letzten Mareschkonzert auf die Zuhörer
ausgeübt hat.
13.45 Uhr. "Schauma, daß ma zum Laufke kommen
der hat nur bis halb 2 warme Küche und jetz is
dreiviertel!" Na dann aber schnell! ...

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